Pressemitteilung: Prof. Heimerls Einschätzung hat Jahrzehnte Verspätung

Pressemitteilung der Ingenieure22 vom 13.07.2020

Prof. Heimerls Einschätzung hat Jahrzehnte Verspätung

Prof. Heimerl gesteht mit seinem neuerlichen Vorstoß für einen unterirdischen Ergänzungsbahnhof zu Stuttgart 21 ein, dass seine Ursprungsidee für einen ergänzenden Durchgangsbahnhof in den Händen von Politik und Deutscher Bahn offenbar völlig verunstaltet wurde und letztlich zu einer Fehlplanung missraten ist. Den Projekttreibern ging es offenbar von vorne herein viel mehr um freiwerdende Flächen für den Immobilienmarkt als um eine starke und zukunftsfähige Schiene für Stuttgart.

Dieses Eingeständnis ist Heimerl persönlich hoch anzurechnen. Wir müssen aber genauso kritisieren, dass er, der in Verkehrspolitik und Medien seit jeher ein hohes Ansehen genießt und an Raumplanung und Planfeststellung als Gutachter beteiligt war, so lange seinen Mund gehalten hat und der Verunstaltung seiner Idee gewissermaßen nur zugeschaut hat. Eigentlich kann es nicht sein, dass ihm als Experten erst jetzt deutliche Worte der Forderung nach Verbesserung einfallen.

In letzter Zeit wurden immer mehr Forderungen nach neuen, extrem teuren Ergänzungen erhoben: weitere Gleise in der Nordzufahrt zum Hauptbahnhof in Gestalt eines ca. 10 km langen Tunnels, ein ca. 12 km langer Tunnel für die Gäubahn auf den Fildern und nun auch von Heimerl formuliert das Nordkreuz unter dem Rosensteinpark. Aber keine dieser Forderungen kann die systemimmanenten Engpässe von Stuttgart 21 beseitigen.

Beispielsweise wird ein Gäubahntunnel unter den Fildern keinen einzigen Zug zusätzlich ermöglichen, wenn zwischen Rohr und Herrenberg nur zwei Gleise liegen. Und auch so lange die von der Gruppe Ingenieure22 aufgedeckten Defizite beispielsweise im Brandschutz- und Sicherheitskonzept des Tunnels zwischen Hauptbahnhof und Flughafen nicht behoben sind, kann niemand sicher sein, dass die Gäubahnzüge vom Flughafen überhaupt in den Talkessel einfahren können.

Wenn nun selbst von Seiten überzeugter Projektbefürworter immer neue Ideen eingebracht und Ergänzungen gefordert werden, sind ein Innehalten und ein radikales Umdenken erforderlicher denn je. Die Ingenieure22 sagen klar: Die Planung und Ausführung des Gesamtvorhabens muss komplett auf den Prüfstand gestellt und neu bewertet werden.

So kann auch die womöglich für den Herbst dieses Jahres noch vorgesehene Erörterung für den Planfeststellungsabschnitt 1.3b (Rohr – Flughafen) keinesfalls stattfinden, wenn Staatssekretär Bilger demnächst die fertige Zusage zum Gäubahntunnel auf den Fildern aus Berlin mitbringen möchte, und damit de facto die bisherige S21-Planung auf den Fildern kurzerhand zu Makulatur erklärt.


V.i.S.d.P.: Ingenieure22, c/o Klaus Wößner